Im Rahmen einer mehrtägigen Veranstaltung zusammen mit der Universität Bozen-Balzano sind wir mit ca. zehn Teilnehmenden nach Südtirol gereist, um am Beispiel verschiedener historischer Waldbewirtschaftungsformen diskutieren, wie diese langfristig erhalten und im Sinne des Naturschutzes gefördert werden können. Dabei standen kulturelle Agroforstsysteme und Waldbewirtschaftungen im Fokus.
Am ersten Tag wurden wir auf der auf der Trostburg mit Vorträgen zu LIFE, Agroforstsystemen in Madagaskar, dem FOREA Projekt und einer Einführung in die Geographie Südtirols/Bozens mit anschließender Burgführung und einem reich gedeckten Mittagstisch begrüßt. Es gab gute Diskussionen und einen ersten grundsätzlichen Einblick in die Thematik und regionalgeographische Besonderheiten.
Am folgenden Tag besichtigten wir das Naturschutzgebiet Castelfeder, ein Agroforstsystem, dass durch Beweidung gefördert wird. Es handelt sich dabei um Offenland und Mischwald mit Laubbäumen der submediteranen Laubwaldstufe und einzelndstehenden Bäumen. Die Bewirtschaftung durch Ziegen und Schafe sorgen in Kombination mit dem Relief für ein mannigfaltige Artenvielfalt. Das Biotop wird durch die Beweidung vor allendingen gepflegt und Erhalten. Auf der Spitze des NSG Castelfeder befinden sich auch Ruinen einer ehemaligen Siegdlungsanlanage mit Rückdatierung bis ins 6. Jahrhundert.
Am Kalterer See konnten wir einen Einblick in die submediterane Laubwaldstufe und deren Bewirtschaftung erhalten.Wir haben eine Vorstellung der Baumartenzusammensetzung der dortigen Niederwälder genießen können. In den Mischwäldern sind vor allem die klassischen Bäume dieser Laubwaldstufe Flaumeichen (Quercus pubescens), Hopfenbuchen (Ostrya carpinifolia), Manna-Eschen (Fraxinus ornus), sowie Esskastanien (Castanea sativa), Bergulmen (Ulmus glabra), Robininen (Robinia) und Winterlinden (Tilia cordata) zu finden.
Die Lärchenwiesen bei Tschöggelberg beheimaten ein sehr vielfältiges Agroforstsystem auf über 1500m. Die kulturhistorischen Wiesen dienen als Weiden für Kühe auf Bergalmen. Die Lärchen dienen als Holzvorrat und die Nadeln als schnellzersetzender Streu. Es herrscht eine vielfältige Vegetation aufgrund des lichten Baumbestands mit Wald und Wiesenvegetation, die durch das Relief verstärkt wird. DIese Wiesen sind ein perfektes Beispiel für praktizierten Natuschutz. Auch hier wird im Rahmen einer Art Vertragsnaturschutz die artenreiche Kulturlandschaft durch verschiednen Modalitäten gefördert um den Erhalt dieser Lebensräume zu gewährleisten.
Die beeindruckenden Kanstanienhaine bei Lana sind ein produktives und kulturell wertvolles Agroforstsystem mit überragender Artenvielfalt durch die Wald- und Wiesenanteile mit Beweidung durch Schafe oder Ziegen. Esskastanien- dienen als Nahrungsprodukt welches früher eher als Ersatzprodukt für ämere Schichten galt. Heute sind die Esskastanien vor allem zur sogenannten Törgelzeit (5. Jahreszeit Weinpressen) ein beliebtes Nahrungsmittel. Die Esskastanien haben seit Jahren mit verschiedenen Problemen zu kämpfen. Zum einen mit dem Esskastanien- Rindenkrebs, ausgelöst durch das Bakterium Cryphonectria parasitica, welches aus Asien stammt. Als Maßnahme gegen die Schäden werden die Kastanienbäume beschnitten und viruelent behandelt. Die Pflegeschnitte haben jedoch einen positiven Effekt auf die Verjüngung des Astwerks und schaden den austriebsfreudigen Bäumen nicht. Zum anderen haben die Esskastanien Probleme mit der Japanischen Esskastanien-Gallwespe (Dryocosmus kuriphilus), die mittlerweile durch natürliche Antagonisten wie die Schupfwespen erfolgreich zurückgedrängt werden. Mittlerweile ergibt sich ein weiteres Problem durch Pilze an den Kastanien, die bei falscher Lagerung zur Ungenießbarkeit führen.
Wir konnten außerdem Mischwälder in verschiedenen Höhenlangen beobachten, was zeigt, dass der Trend zur Riskiostreuung sich weg von Monokulturen bewegt, welche durch Stürme und Parsiten wie z.B. den Borkenkäfer sehr anfällig sind. Selbst in den dort herrschenden extremen Hanglagen zeigen die Mischwälder der verschiedenen Höhenstufen eine sehr gute Vitalität und Resilienz durch ihre Duchmischung.
Insgesamt war es eine sehr lehrreiche Veranstaltung mit vielen guten Diskussionen und interessanten Einblicken. An dieser Stelle ein herzliches Danke an unsere motivierten Exkursionsteilnehmenden, die zu diesen angeregt haben.