Maßnahmen

Es gibt viel zu tun!

Ein wesentlicher Schwerpunkt des LIFE-Projektes ist die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen zur Förderung der wertgebenden Arten und Lebensräume im Vogelschutzgebiet. Im Rahmen des Projektes werden zahlreiche Maßnahmen im Wald und im Offenland umgesetzt, diese beinhalten auch die Wiederansiedlung des derzeit verschollenen Goldenen Scheckenfalters.

Förderung von Altwald (C1)

Viele Tier- und Pflanzenarten sind an alte totholzreiche Wälder gebunden. Diese Action dient dem langfristigen Erhalt von Altwald, der Förderung der FFH-LRT 9110, 9180, 91E0* und der Zielarten im Wald. Zusätzlich soll zusammen mit den Actions C2 und C3 eine zukünftige Alterslücke artenreicher Eichenbestände und der oben genannten LRT im Projektgebiet vermieden werden. Die Action dient außerdem der Förderung von Buchenwäldern, für die Deutschland eine globale Verantwortung besitzt.

Zielkulisse: 50 ha
Maßnahmen: Altwaldsicherung, Schutz von Habitat- und Höhlenbäumen, Einrichtung von Horstschutzzonen
Zielarten: Schwarz-, Mittel- und Grauspecht, Rotmilan

 

Maßnahmenfortschritt:

Im Jahr 2022 wurden bereits auf ca. 585 ha Waldfläche 2.782 Habitat- und Höhlenbäume erfasst. Diese Daten dienen als Grundlage zum gezielten aus der Nutzung nehmen von Altwaldstrukturen und der Einrichtung von Horstschutzzonen. Im Rahmen des Workshops „Naturschutz im Wald“ wurde der interessierten Öffentlichkeit die Bedeutung von Habitat- und Höhlenbäumen für die Artenvielfalt nähergebracht.

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Förderung von Laubwald (C2)

Um eine Aufforstung mit standortfremden und nicht-heimischen Baumarten zu unterbinden und einen Waldumbau mit heimischen Laubbaumarten zu initiieren bzw. zu fördern, werden in Action C2 auf ehemaligen Fichtenstandorten, heimische Laubbaumarten gepflanzt. Hierdurch sollen insbesondere die FFH-LRT 9110, 9180, 91E0* gefördert, vernetzt und erweitert werden.

Zielkulisse: 50 ha
Maßnahmen: Initialpflanzungen mit Laubbäumen
Zielarten: Schwarz-, Mittel- und Grauspecht, Rotmilan

 

Maßnahmenfortschritt:

Im ersten Projektjahr (2022) wurde eine Priorisierungskarte mit Flächen für die Wiederaufforstung erstellt. Die Aushandlung, welche Fläche entsprechend den Maßnahmenzielen aufgeforstet werden sollen, ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Die erste Wiederaufforstung von 3 ha mit Erlen (Alnus glutinosa) zur Förderung von Erlen-Eschen-Auenwäldern (FFH-LRT 91E0*) im FFH-Gebiet „Buchhellerquellgebiet“ ist für März 2023 geplant.

Im Rahmen eines Expert*innentreffens aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen mit dem Titel „Wiederaufforstung und Naturverjüngung in Zeiten des Klimawandels“ wurde der Austausch über die Landesgrenzen hinweg angestoßen.

Etablierung von Mittelwald (C3)

Der überwiegende Anteil der Laubwaldfläche und insgesamt 14% von der Gesamtwaldfläche des Projektgebietes ist mit Eichen- und Eichen-Birkenwäldern bestockt. Diese sind fast vollständig aus der ehemaligen Niederwaldnutzung (Haubergswirtschaft) hervorgegangen. Je nach Zeitraum des letzten Niederwaldabtriebs besitzen diese sogenannten aus der Niederwaldnutzung herausgewachsenen „D-Bestände“ ein Alter zwischen 50 und 130 Jahren. Die größte Gefährdung der Eichenbestockung und des Eichenvorrats geht von Waldbaumethoden aus, welche die Verjüngung und Neubegründung der Eiche (Quercus petraea und Q. robur) nicht berücksichtigen. Ein erheblicher Teil der Eichenbestände im Siegerland wurde bereits in der Vergangenheit mit Picea abies und in jüngster Zeit auch mit Pseudotsuga menziesii umgebaut (Unterbau und Voranbau). Eine Neubegründung von Eichenbeständen oder ein Waldbau mit Ziel der Eichenverjüngung (aus Stockausschlag und oder Initialpflanzung) wird aktuell kaum praktiziert. Aus ökologischer Sicht, sind Eichen dominierte Wälder besonders hervorzuheben, insbesondere für den Erhalt des Mittelspechtes kommt der Förderung von Alteichen und neuer Eichengenerationen eine hohe Bedeutung zu.

 

Maßnahmenfortschritt:

Bisher wurden diesbezüglich noch keine Maßnahmen umgesetzt. Der Start ist für Sommer 2023 geplant.

Die langfristige Erhaltung von Eichenwäldern, insbesondere deren Verjüngung zur Vermeidung einer zukünftigen Alterslücke ist jedoch auf eine sorgfältige, waldbauliche Steuerung angewiesen. Dies soll im Projekt mit den Methoden eines dem Mittelwald nahekommenden Waldbaus und Initialmaßnahmen erreicht werden. Neben der gezielten Förderung der Eiche als Lichtbaumart, soll die Baumartendiversität mit geeigneten Begleitbaumarten erhöht werden.

Die waldbauliche Steuerung der Eiche mit Licht und Schatten (Femelhieb) fördert neben der Etablierung der Begleitbaumarten in der zweiten Baumschicht ebenfalls die strukturelle Diversität im Bestand. Entstehende Lichtschächte sorgen ebenfalls für eine hohe Bioproduktion, was auch auf die gesteigerte Besonnung sowie den Grenzlinieneffekt zurückzuführen ist. In solchen lichten Wäldern steigt das Lebensraumangebot sowie die Arthropodenverfügbarkeit .

Ziel ist der langfristige Bestandsaufbau eines vertikal reich strukturierten Bestandes mit Alteichen in der Baumschicht. Zukünftig kann eine Unternutzung (insbes. der Begleitbaumarten) zur Brennholzwerbung initiiert werden.

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Umwandlung von Fichtenforst in Grünland (C4)

Im Vogelschutzgebiet wurden einige Standorte mit wertvollem Extensivgrünland (insb. Borstgrasrasen und Pfeifengraswiesen) in der Vergangenheit mit Fichten aufgeforstet. Im Projekt sollen solche Standorte, die heute fast ausschließlich mit Fichte bestockt sind und in enger Verzahnung mit gegenwärtigen FFH- Lebensräumen liegen, in Offenlandlebensräume überführt werden. In Kombination mit Action C2.1 (Etablierung des FFH-LRT Erlen-Eschen- Auwald, 91E0*) wird auf 35 ha ein Biotopverbundsystem geschaffen, welches durch die hohe Kohärenz mit benachbarten, außerhalb der Projektkulisse liegenden Gebieten (VSG Westerwald) untermauert wird.

 

Zielkulisse: 35 ha
Maßnahmen: Entfernung der Fichtenbestockung, Wiederherstellung von Extensivgrünland (insb. FFH-LRT 6230*, 6410, 6510, 6520)
Zielarten: Braunkehlchen, Blauschillernder Feuerfalter, Goldener Scheckenfalter

 

Maßnahmenfortschritt:

Seit Mai 2022 ist der Harvester im Einsatz und hat im FFH-Gebiet „Buchheller-Quellgebiet“ bereits auf ca. 30 ha den sogenannten "Fichtenriegel" entfernt. Dieser wirkte in den letzten Jahrzehnten als Ausbreitungsbarriere für die Arten des Grünlands und hatte das FFH-Gebiet vom DBU-Naturerbe „Stegskopf“ getrennt. Diese Maßnahme wird mit bester Unterstützung der Gemeinde Burbach/dem Forstzweck-Verband Burbach und dem örtlichen Revierförster Maik Hoffmann durchgeführt.

Die Planungen für die Herstellung von Grünland laufen bereits. Die ersten Umwandlungsmaßnahmen sind für Sommer 2023 geplant. Hierzu werden die Flächen zunächst gemulcht und dann mit Mahdgut von floristisch hochwertigen Spenderflächen belegt („beimpft“).

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Optimierung und Erhalt von artenreichem Grünland (C5)

Auf einer Gesamtfläche von 46 ha sollen verschiedene Grünlandhabitate (FFH-LRT 6230 *, 6410, 6510, 6520) zur Förderung von Insekten und Bodenbrütern in einen günstigen Erhaltungszustand überführt werden. Auf weiteren 40 ha soll durch alternative Mahdtechniken insektenreiches Grünland langfristig implementiert werden. Diese Maßnahmen stehen in direkter Kohärenz mit allen Grünlandflächen im Projektgebiet (320 ha), die durch Landerwerb, ein angepasstes Bewirtschaftungskonzept und Vertragsnaturschutz als After-LIFE-Maßnahme dauerhaft erhalten werden sollen. Zusammen mit Action C4 können so 355 ha artenreiches Grünland geschaffen, optimiert und dauerhaft gesichert werden.

Aufwertende Maßnahmen umfassen das Entbuschen von Flächen, die Einführung einer sektoralen Mahd, Mahgutübertragung, Ergänzungseinsaat oder auch die Entfernung von Störpflanzen, z.B. invasiven Arten.

Ziel dieser Maßnahme ist insbesondere auch Flächen für den Blauschillernden Feuerfalter und den Goldenen Scheckenfalter aufzuwerten.

Zielkulisse: 86 ha
Maßnahmen: Entfernung Bodenfilz in Borstgrasrasen, Entbuschung, sektorale Mahd, Mahgutübertragung, Ergänzungseinsaat, Entfernung von Störpflanzen und Einführung einer ökologischen Mahdtechnik.
Zielarten: Braunkehlchen, Blauschillernder Feuerfalter, Goldener Scheckenfalter

 

Maßnahmenfortschritt:

An zwei Aktionstagen im FFH-Gebiet „Buchheller-Quellgebiet“ wurden mit der Unterstützung des TUS-Lippe, Ehrenamtlern und den Bewirtschaftern vor Ort das giftige Jakobs-Kreuzkraut entfernt. Am 02. und 09. Juli 2022 konnten so bereits 48 ha von den Giftpflanzen befreit werden, sodass das dort erzeugte Heu unbedenklich genutzt werden kann.

Im FFH-Gebiet „Rübgarten“ konnte auf einigen Flächen mit der sektoralen Mahd begonnen werden und in den FFH-Gebieten „Hickengrund/Wetterbachtal“ und "Buchheller-Quellgebiet" sind Entbuschungsmaßnahmen für Winter/Frühjahr 2023 geplant.

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Wiederansiedlung des Goldenen Scheckenfalters im Projektgebiet (C6)

Seit 2014 konnte der Goldene Scheckenfalter nicht mehr im Projektgebiet nachgewiesen werden und gilt daher aktuell als verschollen im gesamten Kreis Siegen-Wittgenstein. Innerhalb des Projektes soll die Art daher wieder angesiedelt werden. Ziel ist hierbei in den für den Goldenen Scheckenfalter aufgewerteten Habitaten eine selbst tragende Population zu etablieren. Hierbei werden die Kriterien zur Wiederansiedlung der IUCN berücksichtigt. Entsprechendes Pflegemanagement soll hierfür implementiert und auch im Rahmen von After-LIFE beibehalten werden. Die Art soll über eine Vermehrungszucht wieder angesiedelt werden. Tiere für die Vermehrungszucht werden dabei aus benachbarten Population aus Rheinland-Pfalz entnommen.

 

Maßnahmenfortschritt:

Ende September 2022 wurde eine Samenkollektion des Teufelsabbisses (Succisa pratensis) durchgeführt. Diese Pflanze ist als Futterquelle essenziell für die Raupen des Goldenen Scheckenfalters (Euphydrias aurinia) und wird nun nachgezüchtet, um die entsprechenden Lebensräume vor der Wiederansiedlung dieser Schmetterlingsart zu verbessern. Zuvor wurden Vorkommen dieser Pflanzenart im Projektgebiet kartiert, um die günstigsten Habitate für die Wiederansiedlung zu identifizieren.

Hierfür wurden zusammen mit unserem Kooperationspartner, dem LIFE-Projekt „helle Eifeltäler“ (www.life-helle-eifeltaeler.eu), und der Unterstützung der SGD Nord und dem zuständigen Biotopbetreuer Markus Kunz Raupen in Rheinland-Pfalz für die Nachzucht entnommen. Die Nachzucht wird durch den Schmetterlingsexperten und -züchter Wolfgang Losert durchgeführt, bei dem die Raupen in einem Außengehege überwintern und sich nach dem Schlüpfen nächstes Jahr verpaaren sollen.   

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